Hausbesuch: Frank Taborsky fühlt sich in Bardenfleth pudelwohl und ist noch nie geflogen Ein Radball spielender Hobbybastler

 

 

 

Von Jannis Fischer

Berne-Bardenfleth. Kein Fußball, kein Handball, kein Tischtennis-Sport. Nein Radball! Frank Taborsky vom RV Fahr Wohl Warfleth ist leidenschaftlicher Radballer. Gemeinsam mit seinem Partner André Meyer kämpft er sich auf seinen zwei Rädern durch die Oberliga Niedersachsen. Ein Hausbesuch beim 41-jährigen Bootsbauer und Hobbybastler.

 

© Jannis Fischer

 

Der Radball-Akteur Frank Taborsky ist auch oft in seiner Garage anzutreffen.

 

Sucht man den Wohnsitz der Familie Taborsky – so könnte man meinen, durch ein abgelegenes Örtchen in Ostfriesland zu tuckern. Enge Straßen, ein langer Deich, kleine Gräben am Rande der Straße, eine eingezäunte Schafherde neben der Fahrbahn und zudem noch ein großer Bauernhof neben dem im Jahre 2000 selbst errichteten Zuhause der Taborskys. Einfach idyllisch und familiär.

 

Kein Wunder, dass Familienoberhaupt Frank sein Leben lang keinen Fuß aus dem kleinen Dörfchen setzte. „Ich bin noch nie geflogen. Ich weiß ja nicht, was die da vorne im Cockpit machen. Ich war noch nie außerhalb mit der Familie im Urlaub, höchstens mit dem Pkw. 2010, da war ich ein halbes Jahr in Polen, beruflich. Aber auch da war ich sehr oft an den Wochenenden zu Hause“, so Frank Taborsky. Lediglich quer durch Deutschland, nach Büsum, Sylt oder in diverse Erlebnisparks hat es ihn mit seiner Frau Regina (50 Jahre), mit der er seit fast 17 Jahren verheiratet ist, seinem Sohn Joscha (16), ebenfalls Radballer und seiner Tochter Leana (11), Kunst- und Einrad-Begeisterte, verschlagen.

 

Doch höher als lediglich eine Haltestelle weiterzuziehen, ging er selten hinaus. Warum sollte er auch? Seine Familie hat er um sich, seinen Sportverein, den Radfahrer-Verein (RV) Fahr Wohl Warfleth, um die Ecke und die Arbeit ist zu Fuß in zwei Minuten zu erreichen. Besser kann man es nicht haben. Morgens muss er nur durch seine Gartentür stolzieren, um gemütlich zur Arbeit zu schlendern.

 

Ganz wie der Papa

 

Frank Taborsky ist gelernter Schiffs- und Bootsbauer und nun als Teamleiter in der Fassmer-Werft tätig. Ganz wie der Papa Karel. Und auch ganz der Großvater Wilhelm. Frank Taborsky hat eine lange Familientradition weitergeführt. Auch die Männer in den vorherigen Generationen erlernten die Kunst des Zusammenschrauben und -bauens der Wassergefährte. Wie man die Schiffe zusammenbaut hat Taborsky bei der renommierten Lürssen-Werft erlernt.

 

Nun ist er für Behörden-, Polizei-, Zollfahrzeuge oder die Weserfähren, die täglich im Einsatz sind, mitverantwortlich. Neben seiner Arbeit kann es der schlaksige Radballer einfach nicht lassen, den Werkzeugkasten zur Hand zu nehmen. Ob Gartenarbeit, der Bau eines Räucherofens oder wie zuletzt das Errichten der eigenen Bar im Garten, Frank Taborsky macht vor nichts halt. Und neben Beruf, Haus und Garten ist sein großes Hobby der Radballsport.

 

Im Radball treten jeweils Zweier-Teams gegeneinander an und müssen mithilfe ihres Rades einen 600 Gramm schweren Ball ins gegnerische Tor bugsieren. Während des gesamten Spieles ist es verboten, den Boden mit den Füßen zu berühren. „Es dauert bestimmt zwei Jahre um die Balance auf dem Rad optimal halten zu können“, meinte Taborsky.

 

Seit mittlerweile fast 33 Jahren tritt der 41-Jährige in die Pedalen seines Radballgefährts, und das sehr erfolgreich. Mit seinem Teamkollegen André Meyer, der bereits in der 2. Bundesliga antrat, durchkurvt er die Oberliga Niedersachsen, gleichzusetzen mit der „dritten Liga“.

 

Auch bei Werder zu Gast

 

Am ersten Spieltag der neuen Saison fehlte der Werder-Bremen-Fan, der jedes zweite Wochenende mit seiner Schwester Silke die Heimspiele besucht, aufgrund von Rückenbeschwerden zwar noch, am morgigen Sonnabend jedoch kämpft er wieder mit um die ersten Plätze in der Liga. Doch der Aufstieg ist ihm gar nicht so wichtig: „Wir wollen nicht unbedingt aufsteigen. Wenn wir in der 2. Bundesliga spielen, ist es auch eine Frage des Geldes. Und alles wird sehr viel anstrengender. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste.“

 

Weltcup nach Warfleth geholt

 

Neben seiner aktiven Tätigkeit, sorgt Taborsky ebenfalls noch für die gesamte Presseabteilung des Vereins. Ein Highlight für ihn war die Zusage den Radball-Weltcup 2003 auf der Anlage des RV Warfleth auszutragen. Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen durfte dementsprechend gefeiert werden.

Am morgigen Sonnabend geht es nun nach Halle an der Saale, wo die beiden Warflether Akteure gegen Hannover, Gifhorn und Hahndorf auf dem Prüfstand stehen. Als Favorit geht das RV-Duo vielleicht nicht in die Saison, doch ein fünfter Platz aus dem vergangenen Jahr kann sicherlich bestätigt werden. Und durch das harmonische Leben mit seiner Familie am Weserdeich, wird sich der Bardenflether Frank Taborsky immer wieder Kraft für die weiteren Aufgaben und Spieltage in der Radball-Oberliga holen.